Wie lässt sich Streit ums Erbe verhindern?

Kaum eine Familie, bei der es nicht Querelen ums Erbe gibt. Diese sind zwar unterschiedlich ausgeprägt; ebenso wie das Vermögen, das vererbt wird, nicht unbedingt groß sein muss. Der Streit scheint immer zu lohnen und bei fast allen Geschwistern gibt es mindestens einen, der die anderen gern über den Tisch ziehen will. Warum das so ist, sei dahingestellt, oft scheinen alte Wunden aufzureißen, weil man sich früher schon ungerecht behandelt fühlte oder merkte, dass ein Kind der Familie bevorzugt wurde.

Aber so heikel das Thema auch ist: die Fälle häufen sich, in denen die Familien so weit möglich alles richtig machen. Und das heißt: rechtzeitig drüber reden und eine klare Aufteilung schaffen, damit der Streit im Nachhinein vermieden wird.

Es wird Zeit, dass auch in Deutschland mit dem Thema offener umgegangen wird. Und dass dem so ist, hat eine Erbschaftsstudie der Postbank ergeben. Rund anderthalb Tausend Personen wurden zu dem Thema befragt, und die meisten haben sich in diesem Sinne geäußert.

Auch wenn nicht alle reich sind, insgesamt wird ein stattliches Vermögen vererbt werden in diesem Jahr. Schätzungen zufolge geht es um rund 150 Milliarden, die im Jahr 13 auf diese Art und Weise den Besitzer wechseln. Das ist rund dreimal so viel wie noch vor 20 Jahren. Bislang war nur etwa jede 4. Erbschaft im Vorfeld geregelt. Aber weit mehr, nämlich rund drei Viertel der Betroffenen, wünschen sich das.

Das Problem ist, dass bei denjenigen, wo es nötig wäre, kein Testament gemacht wird, und dort, wo die Erbfolge der Gesetzlichkeit folgt, diese möglichst umgangen werden soll. Doch wie stellt man sowohl das eine als auch das andere an? Fast alle über 50 machen sich Gedanken darüber, was mit dem, was sie besitzen, einmal werden soll. Das liegt nach Meinung der Experten daran, dass die meisten von ihnen selbst schon einmal Erbe waren, und aus den eventuellen Problemen gelernt haben.

Andererseits fühlen sich viele zu jung, um sich solche Gedanken zu machen. Aber wir alle wissen, dass man auch durch plötzliche Krankheit oder Unfall zu Tode kommen kann, und der Erbfall dann nicht erst jenseits der 90 eintritt. Aber wenn es darum geht, die Gedanken zu Papier zu bringen, sollte man auf professionelle Hilfe nicht verzichten. Denn ungezählt sind die Fälle, wo durch falsche Formulierungen oder das Nichtbeachten von Gesetzmäßigkeiten das Erbe nicht so verteilt werden konnte, wie dies vom Erblasser gewünscht war.

Geht es um viel, eventuell um eine Firma, Anlagevermögen und Immobilien, dann sollte am besten ein Anwalt mit einem Notar und einem Steuerberater zusammenarbeiten, wenn das Testament ansteht. Zudem kann es sinnvoll sein, dass ein Bevollmächtigter benannt wird, der auch vor Ausstellung des Erbscheines Versicherungs-und Bankangelegenheiten regeln darf.
Steuerliche Aspekte für einen Erbfall in ein paar Jahren zu berücksichtigen, ist nicht unbedingt sinnvoll, denn die Gesetze können sich bis dahin geändert haben. Steht so etwas zur Debatte, sollte man lieber diverse Freibeträge im Vorfeld nutzen.

Probleme entstehen häufig dadurch, dass es nach Meinung der Erben nicht „gerecht“ zugeht. Aber gerecht heißt nicht immer „zu gleichen Teilen“. Dabei sollte man so gut als möglich die Interessen der Erben berücksichtigen, zum Beispiel, wenn einer besonders am Elternhaus hängt und ein anderer gern die Firma übernehmen würde, sollte man das, wenn machbar, in diesem Sinne klären.

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